Die Gefahr des Argwohns

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Es ist eine faszinierende Geschichte, aus der sich eines der großen Prinzipien des Judentums ableitet. Die Stämme Ruben und Gad sehen, dass das Land östlich des Jordan als Weideland für ihre großen Rinder- und Schafherden ideal geeignet ist. Sie treten an Moses heran und bitten ihn um Erlaubnis, sich dort niederzulassen, statt den Jordan zu überqueren. Moses ist über ihre Bitte zunächst außer sich vor Zorn. Sie werde, so sagt er, unweigerlich den Mut des übrigen Volkes untergraben: „Sollen eure Brüder in den Krieg ziehen, während ihr hier sitzen bleibt?“ (Num. 32:6). Hatten sie denn nichts aus der Sünde der Kundschafter gelernt, deren entmutigendes Verhalten eine ganze Generation dazu verurteilte, vierzig Jahre lang in der Wüste umherzuwandern?

Die Stämme Ruben und Gad können den Einwand nachvollziehen. Sie erklären, dass sie keineswegs den Wunsch haben, sich den Kämpfen ihrer israelitischen Brüder zu entziehen. Sie sind durchaus bereit, sie ins Verheißene Land zu begleiten und an ihrer Seite zu kämpfen. „Wir werden nicht zu unseren Häusern zurückkehren, bis jeder Israelit sein Erbteil erhalten hat“ (Num. 32:18). Moses lässt sie öffentlich ein entsprechendes Versprechen ablegen und gewährt ihnen ihre Bitte unter der Bedingung, dass sie ihr Wort halten. „Wenn das Land dann vor Gott erobert ist, dürft ihr zurückkehren, frei von jeder Verpflichtung gegenüber Gott und Israel, und dieses Land wird euch vor Gott als dauerhafter Besitz gehören“ (Num. 32:22).

Die kursiv gesetzten Worte – wörtlich: „Ihr werdet unschuldig sein vor Gott und Israel“ – wurden im Laufe der Zeit zu einem ethischen Grundsatz des Judentums. Es genügt nicht, das zu tun, was in den Augen Gottes richtig ist. Man soll auch so handeln, dass man in den Augen seiner Mitmenschen als jemand erscheint, der richtig gehandelt hat. Man muss über jeden Verdacht erhaben sein. Dies ist die Regel von wehejitem neki’im: „Ihr sollt unschuldig sein in den Augen Gottes und Israels.“

Wie schlug sich dieser Grundsatz im jüdischen Recht und Leben nieder? In der Mischna im Traktat Schekalim wird über die drei Zeitpunkte im Jahr gesprochen, an denen Entnahmen aus den gemeinschaftlichen Spenden vorgenommen wurden, die in der Schatzkammer des Tempels aufbewahrt wurden. Die Mischna erklärt:

„Derjenige, der die Entnahme vornahm, betrat die Kammer nicht mit einem gesäumten Mantel, nicht mit Schuhen, nicht mit Tefillin und auch nicht mit einem Amulett. Denn wenn er später arm wurde, sollten die Leute nicht sagen, er sei arm geworden, weil er in der Kammer eine Verfehlung begangen habe. Und wenn er reich wurde, sollten die Leute nicht sagen, er sei reich geworden, weil er Beiträge veruntreut habe. Denn wir müssen in den Augen der Menschen ebenso frei von Schuld sein wie vor Gott, wie es heißt: ‚Ihr sollt unschuldig sein in den Augen Gottes und Israels‘ (Num. 32:22)“.

Mischna, Schekalim 3:2

In der Tosefta heißt es ähnlich:

„Wenn jemand hineinging, um die Abgabe aus der Kammer zu entnehmen, wurde er beim Hineingehen und beim Herauskommen durchsucht. Man hielt ihn die ganze Zeit im Gespräch, von dem Augenblick an, in dem er hineinging, bis zu dem Augenblick, in dem er wieder herauskam“.

Tosefta, Schekalim 2:2, ed. Lieberman

Es durfte nicht nur kein Fehlverhalten geben, wenn Münzen aus der Schatzkammer des Tempels entnommen wurden, es durfte nicht einmal der Verdacht eines Fehlverhaltens entstehen. Daher durfte derjenige, der das Geld einsammelte, kein Kleidungsstück tragen, in dem Münzen hätten verborgen werden können. Er musste vorher und nachher durchsucht werden und wurde währenddessen sogar im Gespräch gehalten, damit er nicht in Versuchung geriet, etwas von dem Geld im Mund zu verbergen.

Zwei rabbinische Lehren aus der Zeit des Zweiten Tempels berichten von Familien, die für ihre Rolle im Tempelleben berühmt waren und die enorme Anstrengungen unternahmen, um sich über jeden Verdacht zu erheben. Die Familie Garmu beispielsweise war besonders kundig in der Zubereitung der Schaubrote. Über sie hieß es:

„Ihr Andenken wurde hoch geschätzt, weil in den Häusern ihrer Kinder niemals feines Brot zu finden war. So konnten die Leute nicht behaupten, sie würden sich von der Zubereitung der Schaubrote ernähren. 

„Ebenso war die Familie Awtinas geübt in der Herstellung des Räucherwerks, das im Tempel verwendet wurde. Auch sie waren hoch geschätzt, denn aus ihrer Familie ging niemals eine Braut parfümiert aus dem Haus. Heirateten sie eine Frau von außerhalb, machten sie die Bedingung, dass sie sich nicht parfümieren dürfe, damit die Leute nicht sagen konnten, sie würden sich mit der Zubereitung des Tempelräucherwerks parfümieren“.

Tosefta, Joma 2:5–6, ed. Lieberman

Der allgemeine Grundsatz wird im Jerusalemer Talmud formuliert:

„Rabbi Samuel Bar Nachman sagte im Namen von Rabbi Jonatan: ‚Aus den Büchern Moses, den Propheten und den Schriften geht hervor, dass ein Mensch seine Pflichten gegenüber den Menschen ebenso erfüllen muss wie gegenüber Gott.‘ Wo finden wir dies in den Büchern Moses? In dem Vers: ‚Ihr sollt unschuldig sein in den Augen Gottes und Israels‘ (Num. 32:22). Wo in den Propheten? In dem Vers: ‚Gott, der Ewige, Gott, er weiß es, und auch Israel soll es wissen‘ (Josua 22:22). Und wo in den Schriften? In dem Vers: ‚Du wirst Gnade und Wohlgefallen finden in den Augen Gottes und der Menschen‘ (Sprüche 3:4). Gamliel Soga fragte Rabbi Jose Beribi Bun: ‚Welcher Vers drückt es am klarsten aus?‘ Dieser antwortete: ‚Ihr sollt unschuldig sein in den Augen Gottes und Israels‘ (Num. 32:22)“.

Jerusalemer Talmud, Schekalim 3:2:11

Diese Sorge wurde zur Grundlage zweier halachischer Prinzipien. Das erste ist als Chaschad, „Verdacht“, bekannt. Es besagt, dass bestimmte Handlungen, die an sich erlaubt sind, dennoch verboten werden können, wenn sie andere dazu bringen könnten, den, der sie tut, zu verdächtigen, etwas Verbotenes zu tun. So vertrat beispielsweise Rabbi Simon Bar Jochai die Auffassung, dass einer der Gründe, weshalb die Tora vorschreibt, dass Pea – die Ecke des Feldes, die für die Armen ungeerntet stehen gelassen wird – erst am Ende der Ernte zurückgelassen werden soll, im Verdacht liege. Hätte der Besitzer des Feldes bereits am Anfang oder in der Mitte eine Ecke als Pea bestimmt, würden die Armen kommen und das nehmen, was ihnen zusteht, noch bevor die Ernte beendet ist. Ein Vorübergehender könnte jedoch denken, dass überhaupt keine Ecke bestimmt wurde. Ebenso ordneten die Rabbiner an, dass, wenn ein Haus zwei Türen an verschiedenen Seiten hat, an beiden Chanukka-Lichter entzündet werden sollen, damit ein Vorübergehender, der die eine Tür sieht, aber nicht die andere, nicht denkt, der Hausbesitzer habe das Gebot nicht erfüllt.

Ein eng damit verbundenes halachisches Prinzip ist die als Marit Ha’ajin bekannte Idee des „äußeren Anscheins“. So war es beispielsweise, bevor Milchersatzprodukte weit verbreitet waren, verboten, milchartige Flüssigkeiten, die etwa aus Mandeln hergestellt wurden, zusammen mit Fleisch zu trinken, da die Menschen sonst denken könnten, es handele sich um Milch selbst. Ebenso ist es am Schabbat verboten, nass gewordene Kleidungsstücke – etwa weil sie ins Wasser gefallen sind – zum Trocknen aufzuhängen, da Menschen denken könnten, man habe sie am Schabbat gewaschen. Im Allgemeinen darf man keine Handlungen ausführen, die zwar an sich erlaubt sind, aber zu Missdeutungen Anlass geben können.

Die Verbindung – oder der Gegensatz – zwischen diesen beiden Prinzipien ist in der rabbinischen Literatur Gegenstand gewisser Diskussionen. Einige betrachten Chaschad und Marit Ha’ajin als sehr ähnlich, vielleicht sogar als zwei Bezeichnungen für ein und dieselbe Sache. Andere hingegen sehen sie als verschieden, ja sogar als Gegensätze. Chaschad bezeichnet die Möglichkeit, dass Menschen denken könnten, man habe etwas Verbotenes getan und deshalb schlecht über einen denken. Marit Ha’ajin betrifft Fälle, in denen Menschen, die wissen, dass man nicht der Typ Mensch ist, der etwas Verbotenes tun würde, zu dem falschen Schluss gelangen, dass, weil man X tut, Y erlaubt sei, da X leicht mit Y verwechselt werden kann. Um eines der oben genannten Beispiele aufzugreifen: Menschen, die sehen, wie man am Schabbat Kleidung zum Trocknen aufhängt, könnten daraus schließen, dass Wäschewaschen erlaubt sei, was jedoch nicht der Fall ist.

Diese Sorge um den äußeren Anschein wirkt auf den ersten Blick befremdlich. Schließlich kommt es doch gewiss darauf an, welche Meinung Gott von uns hat, und nicht darauf, was Menschen von uns denken. Der Talmud berichtet von einer bewegenden Begegnung zwischen dem sterbenden Rabban Jochanan Ben Sakkai und seinen Schülern:

„Sie sagten zu ihm: ‚Meister, segne uns.‘ Er antwortete: ‚Möge Gottes Wille sein, dass euch die Ehrfurcht vor dem Himmel ebenso wichtig ist wie die Furcht vor [den Meinungen der] Menschen.‘ Sie sagten: ‚Ist das alles?‘ Er antwortete: ‚Wenn ihr doch nur [diese Stufe der Geistigkeit] erreichen könntet! Ihr könnt sehen [wie schwer das ist], denn wenn jemand eine Sünde begehen will, sagt er: Ich hoffe, niemand wird mich sehen [und stellt damit seine Furcht vor den Menschen über die Ehrfurcht vor Gott, der alles sieht]‘“.

Babylonischer Talmud, Berachot 28b

Mehr noch: Es ist verboten, Menschen eines Fehlverhaltens zu verdächtigen. Die Rabbiner sagten: „Wer einen Unschuldigen verdächtigt, wird mit körperlichem Leiden bestraft“ (Schabbat 97a) und „Man soll jeden Menschen stets wohlwollend beurteilen“ (Sprüche der Väter 1:6). Warum sollten wir also — die Beobachteten — verpflichtet sein, so zu handeln, dass wir über jeden Verdacht erhaben sind, wenn doch die Verantwortung beim Beobachter liegt, nicht vorschnell hart zu urteilen?

Die Antwort lautet: Wir dürfen uns nicht darauf verlassen, dass andere uns wohlwollend beurteilen werden – selbst wenn sie es sollten. Raschi macht eine ernüchternde Bemerkung über das Leben Moses:

„Wenn er sein Zelt früh verließ, sagten die Leute, er habe Streit mit seiner Frau gehabt. Verließ er es spät, sagten sie: Er schmiedet böse Pläne gegen uns“.

Raschi zu Deuteronomium 1:12

Selbst Moses, der sein Leben mit völliger Selbstlosigkeit dem Volk Israel widmete, konnte dem Verdacht nicht entgehen. Rabbi Moses Sofer sagte sogar, dass ihn die Herausforderung des Gebots „Ihr sollt unschuldig sein in den Augen Gottes und Israels“ sein ganzes Leben lang zu schaffen machte. Er fügte hinzu, dass es weit leichter sei, die erste Hälfte des Gebots zu erfüllen als die zweite – „in den Augen Israels“. Tatsächlich fragte er sich, ob es überhaupt möglich sei, dass irgendjemand es in seiner ganzen Fülle erfülle. Vielleicht, so Rabbi Sofer, sei damit gemeint, was Kohelet sagt: „Denn es gibt keinen gerechten Menschen auf Erden, der nur Gutes tut und niemals sündigt“ (Prediger 7:20).

Hinter der Idee von wehejitem neki’im – „Ihr sollt unschuldig sein“ – verbirgt sich jedoch ein tiefgründiger Gedanke. Der talmudische Weise Rawa übte scharfe Kritik an Menschen, die vor einer Torarolle aufstanden, aber nicht vor einem Toragelehrten. Ein Jude zu sein bedeutet, dazu aufgerufen zu sein, eine lebendige Sefer Tora zu werden. Menschen lernen nicht nur aus den Büchern, die sie studieren, wie sie sich verhalten sollen, sondern auch – vielleicht sogar noch mehr – von den Menschen, denen sie begegnen. Jüdische Pädagogen sprechen in diesem Zusammenhang von „Text-Menschen“ und „Text-Büchern“ und meinen damit, dass wir neben formaler Unterweisung auch lebendige Vorbilder benötigen. Aus diesem Grund folgte Rabbi Akiva seinem Lehrer, Rabbi Josua, um zu sehen, wie er sich im Privaten verhielt, und sagte: „Auch dies ist Teil der Tora, und ich muss es lernen“ (Berachot 62a). Die beiden Zwillingsgrundsätze Chaschad und Marit Ha’ajin besagen, dass wir so handeln sollen, dass wir als Vorbild gelten können. Das bedeutet einerseits, dass wir über jedem Verdacht erhaben sein sollten (Chaschad), und andererseits, dass unser Verhalten so eindeutig sein sollte wie ein Lehrbuch (Marit Ha’ajin), damit es keinen Anlass zu Missdeutungen gibt. Menschen sollten in der Lage sein, unser Verhalten zu beobachten und daraus zu lernen, wie man als Jude lebt.

Dass diese Regeln für alle Juden gelten, nicht nur für große Gelehrte, ist ein beredtes Zeugnis für den geistigen Egalitarismus der Halacha. Jeder von uns ist aufgerufen, ein Vorbild zu werden. Dass diese Regeln bestehen, obwohl wir dazu angehalten sind, andere nicht eines Fehlverhaltens zu verdächtigen, sagt uns noch etwas anderes über das Judentum: Es ist ein System von Pflichten und nicht nur von Rechten. Wenn wir auf eine Weise gehandelt haben, die Verdacht nahelegt, dürfen wir nicht sagen: „Ich habe nichts Falsches getan; im Gegenteil, der andere ist im Unrecht, weil er Zweifel an mir hegt.“ Gewiss, das ist er. Doch das entbindet uns nicht von der Verantwortung, unser Leben so zu führen, dass es über jeden Verdacht erhaben ist. Jeder von uns muss seinen Teil dazu beitragen, eine Gesellschaft des gegenseitigen Respekts aufzubauen.

Damit sind wir wieder am Ausgangspunkt angelangt: der Bitte der Stämme Ruben und Gad, sich im Land östlich des Jordan niederzulassen. Moses gewährte ihnen diese Bitte unter der Bedingung, dass sie sich zunächst den anderen Stämmen in ihren Kämpfen anschließen würden. Das taten sie. Jahre später rief Josua sie zu sich und sagte ihnen, dass sie ihr Versprechen erfüllt hätten und nun berechtigt seien, an den Ort zurückzukehren, an dem sie ihre Häuser gebaut hatten (Josua 22).

Doch durch eine tiefgreifende historische Ironie wurde erneut Verdacht geweckt, diesmal aus einem ganz anderen Grund: Sie hatten in ihrem Gebiet einen Altar errichtet. Die anderen Stämme verdächtigten sie, dem Gott Israels die Treue zu brechen, indem sie sich eine eigene Kultstätte bauten. Israel stand am Rande eines Bürgerkriegs. Der Verdacht war jedoch unbegründet. Die Stämme Ruben und Gad erklärten, dass der Altar nicht als Ort des Gottesdienstes gedacht war, sondern vielmehr als Zeichen dafür, dass auch sie Teil des israelitischen Volkes waren. Er sollte sie vor der Möglichkeit schützen, dass die im eigentlichen Land Israel lebenden Stämme sie, Generationen später, zu Fremden erklären würden, nur weil sie auf der anderen Seite des Jordans lebten.

„Darum sagten wir: ‚Lasst uns einen Altar bauen – aber nicht für Brandopfer oder Schlachtopfer. Im Gegenteil: Er soll ein Zeuge sein zwischen uns und euch sowie den kommenden Generationen, dass wir Gott im Heiligtum mit unseren Brandopfern, Schlachtopfern und Gemeinschaftsopfern dienen werden. Dann können eure Nachkommen in Zukunft nicht zu unseren sagen: Ihr habt keinen Anteil an Gott.‘ Wir sagten außerdem: ‚Wenn sie dies jemals zu uns oder zu unseren Nachkommen sagen, werden wir antworten: Seht die Nachbildung des Altars Gottes, den unsere Väter gebaut haben – nicht für Brandopfer und Schlachtopfer, sondern als Zeugen zwischen uns und euch‘“.

Josua 22:26–28

Ein Bürgerkrieg wurde abgewendet – aber nur gerade eben.

Verdacht ist ein allgegenwärtiges Merkmal des gesellschaftlichen Lebens und äußerst zerstörerisch. Das Judentum, zu dessen zentralen Aufgaben der Aufbau einer wohlwollenden Gesellschaft gehört, die auf Gerechtigkeit, Mitgefühl, gegenseitiger Verantwortung und Vertrauen beruht, begegnet diesem Problem von beiden Seiten. Einerseits gebietet es, keinen Verdacht zu hegen, sondern Menschen großzügig zu beurteilen und ihnen den Vorteil des Zweifels zu gewähren. Andererseits fordert es jeden von uns auf, so zu handeln, dass wir über jeden Verdacht erhaben sind. Wir sollen uns, wie die Rabbiner es ausdrückten, „fernhalten von ungebührlichem Verhalten, von allem, was ihm ähnelt, und von dem, was auch nur den Anschein erwecken könnte, ihm zu ähneln”.

Vor Gott unschuldig zu sein, ist das eine, vor den Mitmenschen unschuldig zu sein, ist etwas anderes – und weit schwieriger. Doch genau darin liegt die Herausforderung: nicht, weil wir ihre Zustimmung suchen – das wäre Anbiederung –, sondern weil wir dazu berufen sind, Vorbilder zu sein, Beispiele, lebendige Verkörperungen der Tora. Und weil wir dazu aufgerufen sind, im jüdischen Leben eine einende und keine spaltende Kraft zu sein. Wie der Chatam Sofer sagte, wird uns das nicht immer gelingen. Trotz all unserer besten Bemühungen können uns andere dennoch beschuldigen, Dinge getan zu haben, derer wir völlig unschuldig sind, wie sie es mit Moses taten. Dennoch müssen wir unser Bestes tun, indem wir andere wohlwollend beurteilen und in der Art, wie wir uns selbst verhalten, gewissenhaft sind.


german shabbat table
  1. Haben Sie schon einmal jemanden falsch eingeschätzt? Wie haben Sie sich gefühlt, als Sie später erfahren haben, dass Sie sich geirrt hatten?
  2. Fällt Ihnen eine Gestalt in der Tora ein, die zu Unrecht eines Fehlverhaltens verdächtigt wurde? Was geschah?
  3. Was ist der Unterschied zwischen gut sein und als gut wahrgenommen werden?

With thanks to the Schimmel Family for their generous sponsorship of Covenant & Conversation, dedicated in loving memory of Harry (Chaim) Schimmel.

“I have loved the Torah of R’ Chaim Schimmel ever since I first encountered it. It strives to be not just about truth on the surface but also its connection to a deeper truth beneath. Together with Anna, his remarkable wife of 60 years, they built a life dedicated to love of family, community, and Torah. An extraordinary couple who have moved me beyond measure by the example of their lives.” — Rabbi Sacks