Liebe

14. Februar 2020
love

Broadcast on BBC Radio 4’s Thought for the Day, 14th February 2020

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„Ihre tägliche Pflege nährt und erhält die Flamme der Liebe.“

Heute ist Valentinstag, der traditionell mit Liebesbekundungen verbunden ist. Da es sich hierbei nicht um einen jüdischen Tag handelt, würde ich ihn normalerweise nicht thematisieren. Seine Geschichte reicht zurück bis zu den frühen christlichen Märtyrern, in das Zeitalter des Rittertums und über Geoffrey Chaucer zu Shakespeares Ophelia. Es ist ein schöner Tag, nur eben nicht der unsere.

Aber dieses Jahr war ich mir der Freude, die der Liebe zu eigen ist, ganz besonders bewusst. Es ist gerade etwas mehr als fünfzig Jahre her, dass ich Elaine kennengelernt, mich in sie verliebt und ihr einen Heiratsantrag gemacht habe, und dieses Jahr feiern wir unsere Goldene Hochzeit. Vor Kurzem nahmen wir unsere Kinder und Enkelkinder mit auf eine Reise übers Wochenende, und am Sonntagmorgen machten wir einen gemeinsamen Spaziergang entlang der Themse.

Da wurde mir bewusst, dass Elaine und ich genau diesen Spaziergang zu machen pflegten, als wir noch jung verheiratet waren, aber seitdem nie wieder. Mit einem Mal hatte ich das intensive Gefühl, in die Zeit zurückversetzt zu sein, als wir noch jung waren. Damals hatten wir keine Ahnung, wohin uns der Weg führen würde. Dann blickte ich auf und kam in die Gegenwart zurück und sah die Gestalten vor uns auf dem Weg: unsere Kinder und Enkelkinder, unsere Freude.

Ich fragte mich, was uns auf diesem Kurs gehalten hatte, und instinktiv wusste ich es. Erstens dankten wir Gott für jede gute Sache, die uns widerfuhr. Sozialwissenschaftler sagen uns, dass schlechte Ereignisse vier- bis fünfmal so große Auswirkungen haben wie gute. Also ist es wichtig, das Gleichgewicht zu halten, indem man das Gute feiert.

Zweitens finden wir jeden Tag etwas, für das wir einander ein Kompliment machen können – etwas, das der andere getan hat. Das haben wir von einer Logopädin gelernt, die uns lehrte, dass tägliches Lob in der Familie jedem das Vertrauen gibt, sich zu ändern und zu wachsen.

Und drittens die Bereitschaft zu vergeben. Die meisten von uns tragen so manches mit sich, was es zu vergeben gilt. Doch wie kann uns vergeben werden, wenn wir selbst nicht bereit sind, zu vergeben?

Diese Dinge wurden für uns zu täglichen Ritualen. Wie der amerikanische Schriftsteller David Brooks es einmal ausgedrückt hat, bedeutet Bindung, sich in jemanden oder etwas zu verlieben und dann darum herum eine Verhaltensstruktur für den Moment zu schaffen, wenn die Liebe zu wanken droht. Ihre tägliche Pflege nährt und erhält die Flamme der Liebe.

Im Judentum ist es Tradition, dass jüdische Männer jeden Wochentag die schönen Worte des Propheten Hosea rezitieren: „Ich will dich Mir auf ewig anverloben“ (Hosea 2:21). Das ist unser täglicher Valentinsgruß, zwischen uns und Gott, zwischen uns und denen, die wir lieben. Und es ist die Liebe, die unsere Füße auf den Weg der Freude führt.