Interreligiöse Beziehungen

19. November 2010
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Broadcast on BBC Radio 4’s Thought for the Day, 19th November 2010

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„Toleranz wurde geboren, als Menschen mit einer festen Überzeugung erkannten, dass andere, die nicht ihrer Meinung waren, ebenfalls feste Überzeugungen hatten und auch sie so weit wie möglich das Recht haben sollten, nach ihren Vorstellungen zu leben.“


Von diesem Sonntag an werden die verschiedenen Religionsgemeinschaften Großbritanniens in einer Reihe von Veranstaltungen zusammentreffen, um die Interreligiöse Woche, das jüngste Kapitel in der Geschichte der britischen Toleranz, zu begehen. Doch dem war nicht immer so.

England war das erste Land, das seine Juden im Jahr 1290 auswies. Erst 1656 wurde ihnen die Rückkehr gewährt. Außerdem waren die Pilgerväter, die im frühen 17. Jahrhundert von Britannien nach Amerika segelten, Calvinisten, die hier Verfolgung fürchteten und dort die Freiheit suchten.

Eine entscheidende Einsicht verwandelte jedoch Großbritannien und machte es zur Geburtsstätte der Idee der Religionsfreiheit. Über Jahre hinweg hatten sich Katholiken und Protestanten in ganz Europa bekämpft, eine jede Seite in der festen Überzeugung, im Besitz der Wahrheit zu sein und, um die Macht ringend, diese auch durchzusetzen. Die Zerstörungskraft dieses Konflikts war immens.

Mit der Zeit erkannten die Menschen, dass man, anstatt zu sagen „Religiöse Überzeugung ist enorm wichtig, deshalb sollte auch jeder die richtige vertreten“, eine andere Schlussfolgerung ziehen kann: „Religiöse Überzeugung ist enorm wichtig, deshalb sollte jeder das Recht haben, nach seinem Glauben zu leben.“

Dieser eine Perspektivenwechsel führte John Locke zu der Idee der Toleranz, welche schließlich Thomas Jefferson in Amerika und Jean- Jacques Rousseau in Frankreich inspirierte.

Anders ausgedrückt: Toleranz wurde geboren, als Menschen mit einer festen Überzeugung erkannten, dass andere, die nicht ihrer Meinung waren, ebenfalls feste Überzeugungen hatten und auch sie so weit wie möglich das Recht haben sollten, nach ihren Vorstellungen zu leben.

Das war einer der transformativen Wendepunkte der modernen Welt. Und es ist wichtig, dass wir diese Entwicklung im 21. Jahrhundert weiterführen, da die religiöse Vielfalt in Großbritannien heute größer ist als je zuvor.

Vor zwei Jahren marschierten wir alle gemeinsam – Christen, Juden, Muslime, Hindus, Sikhs, Buddhisten, Jains, Zoroastrier und Bahai –, um auf die weltweite Armut aufmerksam zu machen. Wenige Monate darauf reisten wir gemeinsam nach Auschwitz, um uns daran zu erinnern, wohin Hass führen kann. Diesen Sommer kamen wir zusammen, um unsere jeweiligen Gemeinden zur Stärkung der Zivilgesellschaft zu verpflichten.

Ich kenne kein anderes Land auf der Welt, in dem die Führer der diversen Glaubensgemeinschaften solch enge persönliche Freundschaften pflegen. Der Gedanke der Interreligiösen Woche ist es, dies an die Basis zu bringen, denn dort kommt es wirklich drauf an. Ein Gutes am Glauben ist, dass er Gemeinschaften bildet. Er vereint viele „Ichs“ in einem „Wir“. Doch die Gefahr besteht, dass er Gemeinschaften in ein „Wir“ und ein „Sie“ spaltet. Reichen Sie also in der kommenden Woche jemandem, der nicht Ihres Glaubens ist, die Hand der Freundschaft: ein wahrhaft transformativer Akt.