Glaube

30. August 2013
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Broadcast on BBC Radio 4’s Thought for the Day, 30th August 2013

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„Man muss nicht religiös sein, um moralisch zu handeln, aber es macht einen großen Unterschied, einer Gemeinschaft anzugehören, die sich dafür einsetzt, anderen ein Segen zu sein.“

Dies ist der letzte Thought for the Day, den ich in meiner Funktion als Chief Rabbi verfassen werde. Am Sonntag werde ich meinen Nachfolger, Rabbiner Ephraim Mirvis, in sein Amt einführen. Doch zuvor möchte ich mich für das Privileg bedanken, dass es mir vergönnt war, als religiöses Oberhaupt in einer Gesellschaft zu dienen, in der die religiösen Überzeugungen anderer Menschen respektiert werden und die versteht, was ich die „Würde des Andersseins“ nenne. Und wenn Sie mich fragen, was ich in den zurückliegenden zweiundzwanzig Jahren am meisten geschätzt habe, dann war es die Gelegenheit, dass ich beobachten konnte, welchen Unterschied der Glaube im Leben der Menschen macht.

Ich habe gesehen, wie er in jüdischen Gemeinden überall im Commonwealth wirkt und Menschen dazu bewegt, Kranke zu besuchen, Einsamen Gastfreundschaft zu gewähren und den Bedürftigen zu helfen. Man muss nicht religiös sein, um moralisch zu handeln, aber es macht einen großen Unterschied, einer Gemeinschaft anzugehören, die sich dafür einsetzt, anderen ein Segen zu sein.

Ich habe gesehen, wie der Glaube Überlebenden des Holocaust geholfen hat, zu überleben, ohne von ihren Erinnerungen traumatisiert zu werden. Ich habe gesehen, wie der Glaube meinem verstorbenen Vater geholfen hat, vier schwierige Operationen in seinen Achtzigern zu überstehen, so dass er, der als Flüchtling in dieses Land gekommen war, dabei sein konnte, als sein Sohn als Chief Rabbi eingeführt wurde. Es war der Glaube, den er mich gelehrt hat, der mich durch einige der schwierigsten Krisen meines Lebens getragen hat.

Der Glaube hat unser Volk vor fast vierzig Jahrhunderten ins Leben gerufen, als Abraham und Sara den Ruf Gottes vernahmen, ihre Heimat zu verlassen und sich auf eine Reise zu begeben, die noch nicht abgeschlossen ist und es auch nicht sein wird, solange wir nicht lernen, miteinander Frieden zu schließen und zu erkennen, dass nicht nur wir, sondern auch unsere Feinde im Ebenbilde Gottes geschaffen sind.

Glaube ist nicht Wissenschaft. Es geht nicht darum, wie die Welt entstanden ist, sondern warum. Ich bin des Glaubens, dass Gott das Universum und uns in Liebe und Vergebung erschaffen hat und uns auffordert, andere zu lieben und ihnen zu vergeben. Und obwohl das oft sehr schwer ist, glaube ich, dass es immer noch wahrscheinlicher ist, als mit der Vorstellung zu leben, dass das Universum einfach so entstanden ist, dass die Menschheit ein bloßer Zufall der Biologie ist und dass nichts heilig ist.

Und tatsächlich scheint es manchmal so, als hätten wir gerade genug Religion, um uns gegenseitig zu hassen, und nicht genug, um uns zu lieben. Doch die Lösung dafür ist mehr Glaube, nicht weniger: der Glaube an Gott, der uns auffordert, andere so zu lieben, wie er uns liebt. Das ist das Ziel des Glaubens, und es liegt noch ein weiter Weg vor uns.