Eine königliche Hochzeit

A Royal Wedding

29. April 2011
wedding

Broadcast on BBC Radio 4’s Thought for the Day, 29th April 2011

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„Die Liebe wie auch der Glaube bedeutet die Erlösung aus der Einsamkeit, eine schmale Brücke, über die sich zwei Seelen vereinigen und uns zu Taten der Selbstlosigkeit und Opferbereitschaft inspirieren.“


Nun ist sie also endlich da, die königliche Hochzeit, die nicht nur Großbritannien, sondern auch einen Großteil der Welt in ihren Bann gerissen hat. Gerade bin ich von einem einwöchigen Besuch in Amerika zurückgekehrt, und kein Tag verging ohne eine Flut von Berichten über Prinz William und Catherine, fast so, als hätte es 1776 und die Unabhängigkeitserklärung nie gegeben. Irgendwie wirkte ihre Freude ansteckend; ihr Auftreten entsprach genau unserer Zeit: entspannt, ungezwungen, ohne zu dick aufzutragen, als ob es wirklich keine Rolle spielen würde, dass zwei Milliarden Menschen zuschauen werden und es die meistgesehene Zeremonie der Geschichte sein wird.

Da sind Großbritannien und sein Königshaus in Bestform. Die glitzernde Kulisse und das aufwendige Zeremoniell sind der Rahmen für etwas Universelles, die Schranken von Bräuchen und Kulturen überschreitend: der schlichte, bewegende Anblick zweier Menschen, die sich in einem Band der Treue und Liebe einander verpflichten und sich miteinander auf eine Reise in jenes geheimnisvolle Land aufmachen, das wir die Zukunft nennen, im Vertrauen auf Gott, wie es im Psalm heißt: „Ich fürchte kein Unheil, denn Du bist bei mir.“ (Psalm 23:4)

Seit den Anfängen der Zivilisation stellt die Ehe mehr dar als nur eine private Vereinbarung zwischen zwei Menschen. Sie ist ein Moment der gemeinschaftlichen und gemeindebezogenen Feier, oft auch verbunden mit dem Begehen eines religiösen Rituals. Und es gibt nur wenige Ideen in der Geschichte des Glaubens, die schöner sind als die prophetische Einsicht, dass uns die Liebe von Mann und Frau dem Verständnis der Liebe Gottes zur Menschheit näherbringt als sonst etwas anderes auf Erden.

„Ich will dich Mir auf ewig anverloben“, heißt es in Hosea, „Ich will dich Mir anverloben in Redlichkeit und Recht, in Liebe und Barmherzigkeit. Ich will dich Mir in Treue anverloben, und du sollst Gott erkennen.“ (Hosea 2:21-22) „Und wenn auch die Berge erschüttert und die Hügel weichen werden“, prophezeit Jesaja, „so wird doch Meine Liebe zu dir nicht erschüttert und mein Friedensbund nicht weichen.“ (Jesaja 54:10) Dies waren die Segensworte, die ich im Sinn hatte, als ich bei den Hochzeiten meiner Kinder die Zeremonie vollzog und ihnen Masal tow wünschte. Und es sind ebenfalls die Segenswünsche, die wir Prinz William und Catherine heute gewiss mit auf den Weg geben möchten.

Denn die Freude, die wir bei einer Hochzeit empfinden, hat etwas Heiliges, da wir die Macht der Liebe spüren, die den Menschen in ihren Glanz taucht und das Leben dieser Welt in Sanftmut hüllt. Die Liebe wie auch der Glaube bedeutet die Erlösung aus der Einsamkeit, eine schmale Brücke, über die sich zwei Seelen vereinigen und uns zu Taten der Selbstlosigkeit und Opferbereitschaft inspirieren. Möge Gott Prinz William und Catherine segnen, und mögen sie einander und auch uns allen ein Segen sein.