Die King-James-Bibel
On the King James Bible
Broadcast on BBC Radio 4’s Thought for the Day, 6th May 2011
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„Am Anfang war das Wort, und ob es nun durch den Buchdruck oder das Internet Verbreitung findet, es ruft uns immer noch dazu auf, eine Freiheit zu schaffen, die alle Menschen gleichermaßen als Ebenbilder Gottes achtet.“
Diese Woche jährt sich der 400. Jahrestag des Buches, das die Welt verändert hat: die King-James-Bibel. Sie werden denken, dass dies nicht gerade eine Sensation ist, über die man twittern müsste. Doch ich will behaupten, dass dieser Moment dem, was sich heute im Nahen Osten abspielt, außerordentlich ähnelt.
Was sich Jahrhunderte zuvor ereignet hatte, war die Erfindung einer neuen Form der Informationstechnologie: die Entwicklung des Buchdrucks durch Gutenberg in Deutschland und durch Caxton in England. So wurden Bücher mit einem Mal deutlich billiger, und ganzen Bevölkerungsschichten war nun der Zugang zu Wissen und Gedankenwelten erschlossen, die zuvor nur einer Elite vorbehalten waren.
Dann kam die Reformation und die demokratisierende Idee, dass nicht nur das religiöse Establishment, sondern jeder Einzelne eine persönliche Beziehung zu Gott hat.
Diese beiden Entwicklungen zusammen führten schließlich dazu, dass man anfing, die Bibel in die Sprache des Volkes zu übertragen, damit jedermann sie lesen konnte. In England war es vor allem William Tyndale, der dafür bekannt wurde. Die Obrigkeit versuchte, dies zu verhindern. Tyndale wurde verhaftet und zum Tode verurteilt.
Wenn die Flut der Erkenntnis jedoch erst einmal ins Rollen gerät, lässt sie sich nur schwer aufhalten. Englische Gelehrte flüchteten nach Genf und fertigten ihre eigene Übersetzung an, die sich in großer Stückzahl verkaufte, bis König James schließlich erkannte, dass er das, was er nicht mehr imstande war zu verhindern, doch wenigstens kontrollieren konnte. Also organisierte er ein Team von Gelehrten, die ihre eigene Version erstellten, ein Meisterwerk englischer Prosa, die sehr viel Tyndale zu verdanken hatte.
Dennoch, die Wogen legten sich nicht, sondern steigerten sich schließlich zu einer regelrechten Revolution. Charles I., der Sohn von James, wurde hingerichtet, und erst mit der Restaurationsbewegung in den 1660er Jahren und der Verabschiedung der Bill of Rights im Jahr 1689 begannen sich die politischen Wirren zu legen. Das Erscheinungsbild der englischen Politik war dauerhaft verändert worden.
Die Ähnlichkeiten zwischen diesen Ereignissen und dem Arabischen Frühling, der zu Aufständen in Tunesien, Ägypten, Libyen, Syrien, Bahrain und Jemen geführt hat, sind nicht zu übersehen. Auch hier ist der Motor eine neue Informationstechnologie – das Internet, Smartphones und Software für soziale Netzwerke. Hinzu kommen eine religiöse Wiederbelebung und eine ernste Herausforderung für die herrschenden Eliten, die einsehen müssen, dass sie den Informationsfluss und die Demokratisierung der Macht nicht mehr kontrollieren können. Gegenwärtig stehen wir am Anfang dieses Prozesses, und sofern die Ereignisse von vor vier Jahrhunderten uns hier einen Anhaltspunkt geben, steht uns eine Zeit der Turbulenzen bevor, die sich womöglich über Jahrzehnte hinziehen wird. Das Ergebnis wird dann wahrscheinlich, wie schon damals, mehr Freiheit sein und eine wirksamere Begrenzung der Machtausübung. Am Anfang war das Wort, und ob es nun durch den Buchdruck oder das Internet Verbreitung findet, es ruft uns immer noch dazu auf, eine Freiheit zu schaffen, die alle Menschen gleichermaßen als Ebenbilder Gottes achtet.