Margaret Thatcher
Broadcast on BBC Radio 4’s Thought for the Day, 17th April 2013
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„Manchmal müssen Führungspersönlichkeiten, auch wenn sie damit Gefahr laufen, Meinungsverschiedenheiten zu verursachen, Stärke zeigen, wenn sie keinen anderen Weg sehen, um zum Ziel zu gelangen.“
Heute, da die Trauerfeier für Margaret Thatcher stattfindet, werde ich nicht an den in der Öffentlichkeit stehenden Menschen denken, sondern an die private Person. Ich kenne sie aus meiner Schulzeit. Sie war die Abgeordnete meines Wahlkreises, und wenn ich einen Aufsatz über Politik schreiben musste, ging ich in ihr Wahlkreisbüro, um zu hören, was sie zu sagen hatte.
Ich weiß noch, wie ich einmal das Wort „Verhältniswahlrecht“ erwähnte und sie mich mit einem Blick ansah, als hätte ich eine Todsünde begangen. „Sie sind doch nicht etwa ein Liberaler, oder?“, sagte sie. Ich antwortete eilig, dass ich keineswegs dafür eintrete, sondern lediglich einen Aufsatz darüber schreibe.
Schon damals, im Jahr 1963, wurde sie als parlamentarische Boudicca beschrieben, die in der einen Hand das Hansard [das amtliche Wortprotokoll des britischen Parlaments] und in der anderen ihre Handtasche schwang. Und doch zeigte sie sich immer gewillt, einem fünfzehnjährigen Schüler zu helfen, dessen politische Zugehörigkeit sie nicht kannte und der in den nächsten sechs Jahren noch nicht einmal das Wahlrecht haben würde.
In den Augen der Öffentlichkeit glich ihr Führungsstil eher dem von Moses als dem von Aaron, eher Überzeugung und Konfrontation als Kompromiss und Schlichtung. Doch wir brauchen beides. Aaron wurde mehr Liebe entgegengebracht als Moses. Die Weisen sagten, dass, als Aaron starb, alle trauerten, aber beim Tod von Moses trauerten nicht alle. Und doch hätte es ohne Moses kein jüdisches Volk gegeben. Manchmal müssen Führungspersönlichkeiten, auch wenn sie damit Gefahr laufen, Meinungsverschiedenheiten zu verursachen, Stärke zeigen, wenn sie keinen anderen Weg sehen, um zum Ziel zu gelangen.
Jahre später, im Jahr 1997, schrieb ich ein Buch über Politik,[1] um die ihr zugeschriebene Aussage zu hinterfragen, dass es so etwas wie eine Gesellschaft nicht gäbe. Ich war mir sicher, dass sie nie wieder mit mir reden würde, aber sie hat es gelesen, es ihren Freunden zur Lektüre empfohlen und blieb so herzlich wie zuvor.
Das will viel heißen. Sie las. Sie liebte die Welt der Gedanken. Sie war äußerst rücksichtsvoll gegenüber den Menschen, mit denen sie zusammenarbeitete. Und selbst für die meisten ihrer Kritiker gab es keinen Zweifel an ihrer Integrität, ihrem Mut oder ihrer würdevollen Haltung, die sie in ihren letzten schwierigen Lebensjahren unter Beweis stellte. Solche Werte sind in einer freien Gesellschaft von großer Bedeutung, denn Politik ist schließlich ein Konflikt, und ohne Anstand kann sie leicht in Missbrauch und in einen Krieg aller gegen alle abgleiten.
Menschen, die ihrem Land mit Hingabe und Bravour dienen, gebührt Respekt im Leben. Wie viel mehr noch im Tod. Und wie sehr doch hat Margaret Thatcher mit ganzem Herzen gedient. Sie liebte Großbritannien und sie kämpfte für dieses Land. Sie hat Verantwortung geliebt und sie übernommen. Sie liebte Freiheit und atmete für sie. Ihr ganzes Leben lang war sie eine Kämpferin. Und jetzt im Tod möge ihre Seele Frieden finden
[1] Jonathan Sacks, The Politics of Hope (London, Vintage, 1997).