Der Umgang mit Veränderungen
Broadcast on BBC Radio 4’s Thought for the Day, 28th June 2017
Teilen
„Veränderung ist bedrohlich und einer der Gründe für das Aussterben von Arten, Kulturen und selbst ganzen Zivilisationen. Und selten hat sich die Welt rasanter und unerbittlicher verändert als heute.“
Ich bin gerade von der Reise meines Lebens zurückgekehrt, von den Galapagos-Inseln, wo der junge Charles Darwin seine erste Vermutung über die natürliche Auslese und den Ursprung der Arten anstellte, und von Machu Picchu, den nahezu vollständig erhaltenen Ruinen einer Inka-Zitadelle hoch in den peruanischen Bergen. Und es mutete seltsam an, aus der Ferne von den politischen Unruhen zu hören, die in den letzten Wochen in Großbritannien stattgefunden haben. Ich fragte mich, ob es möglich wäre, aus dieser Entfernung zu irgendwelchen Einsichten zu gelangen.
Während ich mir also diese Frage stellte, fiel mir ein Satz ins Auge, der Darwin zugeschrieben wird und der an der Innenwand des Schiffes, mit dem wir unterwegs waren, zu lesen war. „Es ist nicht die stärkste Spezies, die überlebt, auch nicht die intelligenteste, sondern diejenige, die am besten auf Veränderungen reagiert.“ Und das, so schien es mir plötzlich, ist der Kern der Turbulenzen, die in letzter Zeit so viele Teile der Welt, darunter auch Großbritannien, erfasst haben. Wir durchleben einige der schnellsten und dramatischsten Umbrüche, die die Welt je gesehen hat. Dies hat ganze Gesellschaften aufgespalten, in jene, die den Wandel begrüßen, und in die, die sich von ihm und all seinen wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Auswirkungen bedroht fühlen. Veränderung ist bedrohlich und einer der Gründe für das Aussterben von Arten, Kulturen und selbst ganzen Zivilisationen. Und selten hat sich die Welt rasanter und unerbittlicher verändert als heute.
Und dann dachte ich an die Geschichte meines eigenen Glaubens und fragte mich: Was hat es mit dem Judentum nur auf sich? Was ist es, das meinen Vorfahren ermöglichte, Jahrhunderte der Ungewissheit durchzustehen, ohne zu wissen, wann die nächste Vertreibung oder Verfolgung stattfinden würde, oder ob die Freunde von heute die Feinde von morgen sein würden? Was macht einen Glauben aus, der einem Volk den Mut gibt, erfolgreich mit Veränderungen umzugehen?
Drei Dinge: Erstens haben wir nie unser Identitätsgefühl verloren, nicht, wer wir waren und warum. In all unseren Festen erinnern wir uns an die Wanderung unserer Vorfahren durch die Wüste auf der Suche nach Freiheit. Zweitens haben wir nie die Hoffnung verloren, dass uns Gott auf dem Weg zur Seite steht, auch wenn Er uns manchmal weit entfernt erscheint. Und drittens haben wir nie das Ziel aus den Augen verloren: eine Welt der Gerechtigkeit, des Mitgefühls und des Friedens zu schaffen, ein Ziel, das wir noch nicht erreicht haben, aber aus der Ferne doch schon erahnen können. Wenn man sich vergegenwärtigt, woher man kommt, wohin man geht und warum, kann man mit Veränderungen umgehen, weil man eine Karte mit Werten hat, die unveränderlich bleiben. Vielleicht brauchen wir alle gerade jetzt auch ein wenig Glauben, um uns ohne Angst durch eine turbulente Welt zu helfen.