Dem Rassismus entgegentreten
Broadcast on BBC Radio 4’s Thought for the Day, 28th November 2019
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„Wir müssen immer noch für die Wahrheit kämpfen, dass sich jede Gruppe sicher fühlen sollte und dass unsere Unterschiede, nicht nur unsere Gemeinsamkeiten, uns als Menschen ausmachen.“
Vor ein paar Tagen saßen zwei jüdische Kinder mit ihren Eltern in einem Zug der Londoner U-Bahn, als ein Mann auf sie zukam und sie fast zwanzig Minuten lang mit antisemitischen Beschimpfungen bedrängte. Jemand schritt ein, wurde aber mit Gewalt bedroht. Dann stellte eine junge Frau den Mann zur Rede und sagte ihm ruhig, dass das, was er tat, falsch war. Das lenkte ihn ab und wurde zur Rettung in der Not. Es war eine heldenhafte Tat. Die Heldin war eine junge Muslimin, die einen Hidschab trug. Ihr Name war Asma Shuweikh.
Sie wusste selbst, wie es ist, misshandelt zu werden. Muslime leiden darunter genauso wie Juden. Aber anstatt sich davon einschüchtern zu lassen, veranlasste das die junge Frau, sich mit der jüdischen Familie zu identifizieren. Das ist es, was das Buch Exodus meint, wenn es heißt: „Einen Fremdling sollst du nicht bedrücken, denn ihr wisst ja, wie es einem Fremdling zumute ist“ (Exod. 23:9). Nutze deinen Schmerz, um dich für den Schmerz anderer zu sensibilisieren. Dass wir in Großbritannien überhaupt noch über Antisemitismus, Islamophobie oder Rassismus zu sprechen haben, ist zutiefst schockierend. Aber es ruft uns die Kluft zwischen den öffentlichen Äußerungen von Politikern und der Realität in Erinnerung, und das ist schon seit sehr langer Zeit der Fall. Thomas Jefferson, von dem die Zeile in der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung stammt: „Wir halten diese Wahrheiten für selbstverständlich, dass alle Menschen gleich erschaffen wurden“, war ein Sklavenhalter. Ein Jahrhundert nach der Französischen Revolution mit ihrem Bekenntnis zu Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit war Frankreich zur Zeit des Dreyfus-Prozesses weltweit führend in Sachen Antisemitismus geworden. Das Deutschland Goethes, Schillers, Beethovens und Kants, das uns einige der schönsten Zeugnisse universeller Menschlichkeit geschenkt hat, wurde später zur Geburtsstätte des mörderischsten Rassismus, den Europa je gekannt hat. Der Rassismus ist nach Europa und nach Großbritannien zurückgekehrt. Tun wir und die uns vertretenden Politiker genug, um ihm Einhalt zu gebieten?
Wir müssen immer noch für die Wahrheit kämpfen, dass sich jede Gruppe sicher fühlen sollte und dass unsere Unterschiede, nicht nur unsere Gemeinsamkeiten, uns als Menschen ausmachen. Die Bibel lehrt dies in ihrem ersten Kapitel, indem sie sagt, dass jeder Mensch im Ebenbild Gottes und nach Seinem Gleichnis geschaffen ist. Das bedeutet, dass jemand, der nicht meinem Ebenbild entspricht – dessen Hautfarbe, Kultur oder Glaubensrichtung nicht die meine ist –, dennoch Gottes Ebenbild ist. Asma Shuweikh, die Frau im Zug, die später sagte: „Ich würde nicht zögern, es noch einmal zu tun“, entschied sich, nicht tatenlos zuzusehen, sondern dem Rassismus direkt entgegenzutreten. Ihre Courage sollte für uns alle ein Vorbild sein.